Schon wieder umgezogen. Schon vor zwei Monaten. Diesmal mit dem Fahrrad und nur zwei Straßen weiter. Ich wohne jetzt in Nordvest, das ist eigentlich auch Nørrebro. Man sagt allerdings: jeg bor på Nørrebro; aber: Jeg bor i Nordvest. Das ist nicht das einzige, was ich nicht verstehe in diesem kleinen komischen Land. Macht nix.
So sieht es hier bei mir aus. (Könnte mal wieder die Fenster sauber machen..)
Wir haben das E-Piano von meinem Mitbewohner in mein Zimmer gestellt, den Staub abgewischt und nun übe ich bei Zeiten Weihnachtslieder drauf. Eins kann ich schon. Es ist dänisch und wer den Titel übersetzen kann, gewinnt ein Wochenende mit Spaziergang in Kopenhagen und 6er-Busticket für 2 Zonen inklusive! Der Titel lautet "dejlig er den himmel blå". Skandinavistik-Studenten und Dänen sind von der Verlosung ausgeschlossen. Aus Fairnessgründen!

Es ist durchaus möglich, dass an besagtem Wochenende auch etwas gebacken wird. Ich habe nämlich ein neues Buch erstanden, in dem viele Keksrezepte stehen, die ich fast alle für probierwürdig erachte. Es heißt cookie magic und ist von Kate Shirazi, die mit ihrem Unternehmen cakeadoodledo schon einige Exemplare für den prima cakewrecks blog kreiert hat. Vermutlich auf Wunsch der Kunden. Wer macht schon sowas freiwillig? (Ein Hummerkuchen- warum!?) Das Keksbuch jedenfalls ist sehr freundlich und streichelt mein äh bäckerisches Selbstbewusstsein. Erkenntnis: wenns für nen Kuchen nicht reicht, probiers halt mit Keksen! harr. Heute also die sogenannten Oo-oo Biscuits. Hierzulande würde man sie vermutlich Kanel-Boller nennen. Und in Deutschland Zimtschnecke und auf der Insel eventuell Cinnamon snail? Oder halt so fancy Oo-oo Biscuits. Weil sie schick sind und geil schmecken. Stimmt auch!
Heute vormittag kam mein lieber Mitbewohner mit einem so genannten Tømmermand nach Hause gewankt, darum wollte ich ihn nicht wecken und nach seiner Kamera fragen sondern zeichnete einfach alle Zutaten für die Kekse. Im Buch steht, die angegebene Menge ergibt ein Batch. Übersetzt bedeutet das also, mit dieser Menge Zutaten kann man einen Batzen Kekse machen. Prima! Sehr präzise. haha!
Also, das brauchen wir:
Wer meine Schnörkelklaue nicht so gut lesen kann, hier noch mal en detail:110 Gramm Puderzucker (ich habe Braunen Muscovatozucker genommen, das ist nicht raffinierter Rohrzucker. Von der Konsistenz her ein bißchen wie feuchter Sand, klumpt leicht und ist viel süßer, finde ich)
275 Gramm Mehl
110 Gramm Margarine
Circa 2 Esslöffel Wasser
3 Esslöffel Butter (meine ist etwas salzig gewesen. Das gibt manchmal einen untypischen Nachgeschmack, ist nichts für Franzosen, die mischen nie süß und salzig, hab ich mir sagen lassen. Ich finds ganz gut. Ist wie Chips und Schokolade- verheerend aber geil)
2 Esslöffel Puderzucker + ein bißchen mehr für zum Drüberstreuen
4 Esslöffel gehackte Nüsse (harr. Albern)
Als erstes mischt man Mehl und Zucker in einer Schüssel und fügt dann die Margarine zu. Das ganze zusammenkneten, bis alles ein bißchen zusammen klumpt, dann das Wasser drauf kippen. Natürlich nach und nach mit gebotener Vorsicht und Behutsam und der ganze Kram. Sensibles Backen wird hier groß geschrieben! Bei mir wurde das eine schlimme Kleberei, darum nochmal der Hinweis. Lieber ein bißchen am Wasser sparen und die Fingerchen immer schön nass halten. Das geht dann ganz gut und am Ende entsteht ein Teig.
Den Teig bitte noch ein bißchen kneten, was heißt ein bißchen, ordentlich durchmangeln die alte Sau! Und dann mit einer schön eingemehlten, etwas feuchten Teigrolle ausrollen. Es soll ein Rechteck entstehen und es ist durchaus möglich, dass dies die Größe von 40x26 cm erreicht. Hat es bei mir nicht. Aber ich hatte auch keine Teigrolle. Egal.
Auf dieses Rechteck kommt die weiche bis flüssige Butter, schön gleichmäßig verteilen. Dann den Zucker mit Zimt vermischen, drüber streuen. Nüsse: auch drüber streuen. Fast fertig!
Jetzt gilt es, das Rechteck einzurollen. Dafür fängt man an einer der langen Seiten an und rollt den Teig halt ein. Am Ende kann man die Rolle mit ein wenig Wasser verschliessen. Und nun müssen nur noch einzelne Stücke ausgeschnitten werden, so circa á 5 mm. Ich hab erst Zentimeter gelesen, das macht auch nix. Die kleinen Rosenkekse auf ein Backblech verfrachten und mit ein wenig Zucker bestreuen, dann können sie schon in den Ofen.
Bei 190°C dauert es circa 10 bis 15 Minuten, dann sind die Kekse fertig.
Während der Backzeit kriecht dieser fantastische Geruch von Zimt und Butter aus dem Ofen und stopft die ganze Wohnung voll, das ist gut für die Vorfreude! Die Kekse legt man dann am besten auf ein Blech und lässt sie etwas abkühlen. Dann sind sie fertig und sehr lecker. Im Buch sehen sie schicker aus, aber ich freue mich über die schiefen Rosenkekse. Es sind nur noch ein paar über, die nehme ich morgen mit zu meinem neuen Lieblings-Optiker Ferit. Der hat nämlich eine Brille, die morgen ein neues zu Hause bekommt. Bei mir auf der Nase. Wahoo!
Später hörte ich dann Blumfeld mit ihrem letzten Studio-Album, eine bessere Backmusik gibt es ja wohl fast nicht. Von wegen, Harmonie sei eine Strategie. Ich sage nur: Apfelmann!
Später ging ich noch etwas spazieren und musste lachen, weil ich dachte, mein Mitbewohner hätte Andrew Bird mit Patrick Wolf verwechselt.
Das war ein schöner Tag!
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